Transkript: Vorsicht – Kunde in Sicht!

10 Tipps, wie man als Dienstleister garantiert keine Kunden findet:

Wenn ich eine Dienstleistung anbiete oder ein Handwerk, muss ich Kunden und Klienten gewinnen – und idealerweise regelmäßig.

Manch einer hat da richtig gute Ideen, die mit wenig Kosten große Wirkung zeigen.

Bei manch anderen kann man sich eher – wundern ?:-)

Deshalb hier meine Top Tipps, wie man garantiert keine Kunden gewinnt.

Wer keine Kunden will, muss unsichtbar bleiben

Und der beste Weg dahin heißt:

Keine Website

Alle diesseits der 80 sind heute im Netz unterwegs, das ist ja allgemein bekannt.

Und selbst, wenn nur das drin steht, was der Gesetzgeber vorschreibt, nämlich Impressum, besteht 24 h täglich die Gefahr, dass irgend jemand von meiner Existenz erfährt.

Erst mal schlagen die Kosten fürs Hosting schon mal mit einem 1-stelligen Eurobetrag pro Monat zu Buche. Übers Jahr summiert sich das tatsächlich zu einem ganz ordentlichen Betrag.

Designer mal kurz weghören:

Ich selbst bin ja der Meinung, dass – je nach Branche und Zielgruppe – eine grauenhafte und völlig veraltete Website besser ist als gar keine.

Selbst wenn ein Kunde mal zufällig darauf stößt, erfährt er ja von meinem Angebot.

Und falls irgendein geistreicher Mensch sogar noch auf dem Idee kommt, einen Halbsatz zur Person, Angebot und Preisen in diese Seite reinzupappen, könnte theoretisch jeder beliebige Interssent rund um die Uhr mit einer Anfrage ins Postfach trampeln. So völlig aus dem Hinterhalt. Und dann steht er da, der blöde Kunde, vor meiner Tür.

Vorbei wär`s dann mit den ruhigen Zeiten. Ein Albtraum. Dann geht`s womöglich los mit Angebote schreiben, die Kunden gut finden, und all so einem Mist. Braucht kein Mensch.

Gut, zugegeben: Die Sache mit den ollen Webseiten läuft auch nicht ganz so automatisch; wenn man bei Google eine gute Position haben will, sollte man sie regelmäßig mit relevanten Inhalten befüllen.

Aber das wollen wir ja nicht, und gut ist.

Nein, nichts ist gut.

Denn hier lauert schon wieder eine neue Gefahr:

Google My Business Profil.

Das ist dieses blöde Fensterchen, das aufklappt, wenn ein Kunde entweder einen ihm bekannten Namen eingibt, oder nach einer Dienstleistung mit Ortsbezug sucht.

Aufpassen:

Das ist völlig kostenlos, abgesehen von der Arbeitszeit, die wer auch immer reinsteckt. Und da hier die eigene Website, so man eine eingetragen hat, aber zumindest die eigenen Daten mit Landkarte angezeigt wird, verbirgt sich das große Risiko, dass man tatsächlich ohne eigenes Zutun im gleichen Atemzug mit richtig großen Firmen gefunden wird. Oberhalb des organischen Index, völlig kostenlos.

Deshalb: Finger weg und am besten totstellen.

Unauffällig kommunizieren.

Wenn ich tatsächlich eine Website habe: Auf keinen Fall in Mail-Korrespondenzen eine aussagekräftige Signatur einfügen – schon gar nicht mit Querverweisen, z.B. auf ein Buch, das ich geschrieben habe und das mich als Experten ausweisen könnte, oder sonstige Leistungen, die für einen potenziellen Kunden interessant sein könnten.

Am besten auch eine unauffällig Mail-Adresse, wie z.B. Lotharlausibausi1978@googlemail.com oder ähnliches, das keinen Hinweis auf eine berufliche Tätigkeit oder eine eigene Domain gibt.

Logo & Print

Falls ich tatsächlich mal gewz8ngen bin, zu kommunizieren – auf keinen Fall ein Logo oder irgendein wie auch immer geartetes Erkennungsmerkmal in Papieren oder gar auf der Website verwenden.

Das ist neumodischer Kram, bleibt womöglich in Erinnerung und lenkt nur ab von der eigentlichen Arbeit, die man anbietet. Der Kunde soll sich schließlich an die Arbeit erinnern, die man geleistet hat, nicht an künstlerischen Schnickschnack.

Die Kosten hierbei sind ja auch nicht zu unterschätzen. Ein professioneller Grafiker nimmt da durchaus mal eine dreistellige Summe aufwärts. Das könnte durchaus daran liegen, dass  solche Leuten sich am Mehrwert orientieren, den sie für den Kunden stiften. Aber man muss es nicht gleich übertreiben.

Und: Designer und Grafiker nochmal kurz weghören:

Es gibt auch Portale – auf denen jeder sich kostenlos oder günstig Geschäftsausstattung selbst kreieren kann. Also, ich rede jetzt nicht von Dumping-Anbietern, sondern von Drucksachen selbst erstellen, z.B. Canva.com.

Und entgegen der Meinung vieler glaube ich ja, dass es – je nach Zielgruppe und Angebot – zumindest am Anfang besser ist, ein mittelmäßiges Logo zu haben, als gar keines.

Wenn ich ein Logo habe und mich entscheide, meine Dienste anzubieten – nicht auch noch professionelle Visitenkarten: Schön eins nach dem anderen. Irgendwann wird der richtige Kunde kommen  -es dauert halt ein wenig. Vielleicht Jahre.

Ich habe die Tage ein Mailing erhalten von einer Dame.  inhaltlich völlig sinnfreie, schlecht kopiert und mit einer Visitenkarte, die offensichtlich von Hand ausgeschnitten war. Einer Dame, die seit zwei Jahrzehnten im Job ist. Ist das nicht nett? Ich war wirklich gerührt. Eine selbst ausgeschnittene Visitenkarte – ein wenig schief, aber mit persönlicher Note. Man darf auch mal Fehler zeigen – nur nicht vielleicht gerade bei einer unbekannten Person, die mir idealerweise am Ende des Monats Geld überweisen soll.

Klar, ein paar Visitenkarten gibt`s schon für eine zweistellige Euro-Summe – dann hat man aber dummerweise für die nächsten 20 Jahre einen Karton neben dem Schreibtisch stehen. Dann lieber ein paar von Hand ausschneiden, wenn man sie braucht.

Wenn ich schon keine Kunden habe, schütze ich wenigstens den Regenwald.

Keine Spezialisierung

Ganz wichtig bei Dienstleistern, bei denen fachliche Kompetenz gefragt ist, und man im Grunde die eigene Person oder Persönlichkeit verkauft:

Unbedingt jeden Auftrag an sich reißen, der sich in den Weg stellt – auch wenn man fachlich objektiv nicht qualifiziert ist. Der Kunde hat eh keine Ahnung und wird`s schon nicht merken. Und im Zweifelsfall war er halt nur einmal Kunden.

Wenn ich aus Zeit oder Kompetenzgründen Subunternehmer beschäftige, bitte möglichst nur bei wichtigen Aufträgen, unbekannte Menschen beschäftigen, die schnell und billig zur Verfügung stehen. Und deren Arbeit gebe ich natürlich ungeprüft weiter. Mit so einem Sch.-Spezial-Projekt will ich ja nicht auch noch selbst viel Zeit verbringen. Wenn der Kunde meckert, war er halt nur einmal Kunde. No Risk, no Fun.

Austausch & Synergien

Möglichst keinen Kontakt zu branchenverwandten Kolleg*innen aufnehmen. Erstens haben die sowieso keine Ahnung. Das könnte inspirierend wirken und die Tür zu potenziellen Kunden öffnen. Man weiß ja nie, wer sich hinter so einer Tür verbirgt.

Portfolio

Wenn der Kunde tatsächlich angebissen hat und zufrieden war – keineswegs von weiteren Leistungen erzählen, die man anbietet. Wenn sich Abläufe erst mal eingespielt haben und Routine eingekehrt ist, könnte man ja die eigene Arbeitszeit gewinnbringender einsetzen. Das muss nicht sein. Man will ja auch immer mal wieder neue Leute kennenlernen, damit es nicht so schnell langweilig wird.

Referenzen

Wen der Kunde mehr als zufrieden war: Auf keinen Fall um eine Referenz bitten. Nicht auf der Website und schon gar nicht auf dem Google MyBusiness . Wenn zu viele Bewertungen da drin stehen, steigt die Gefahr, bei Suchen gefunden zu werden, drastisch an. Jede Bewertung motiviert natürlich Interessenten, direkt Kontakt aufzunehmen.

Und davon ganz abgesehen: Es muss ja nicht alles im Netz stehen – schon gar nicht, für wen ich mal gearbeitet habe und ob derjenige zufrieden war. Bei der Fülle an Angeboten, die von meinen Wettbewerbern im Netz stehen, soll ruhig jeder seine eigenen Erfahrungen machen.

Fortbildungen

Möglichst nicht weiterbilden und einfach immer vom Studium erzählen, das man vor 20 Jahren mit Auszeichnung abgeschlossen hat.

Möglichst die Arbeit anderer immer schlecht reden; das gilt insbesondere für Quereinsteiger, die schlimmstenfalls genauso kompetent sind, wie man selbst. Ganz besonders bei nicht geschützten Berufen, von denen es ja in Deutschland so einige gibt.

Das waren so meine Überlegungen auf die Schnelle.

Was jemand noch eigene Erfahrungen oder Ergänzungen hat, freue ich mich natürlich auf Kommentare.